Wiedersehen

Wir hatten uns lange nicht mehr gesehen, waren beide beschäftigt, bestimmt 4 Monate ist es her. Und als ich ihn da oben auf der Galerie stehen sah blieb mir fast das Herz stehen, so aufgeregt war ich. Er lachte mit einer schon etwas älteren blonden Frau, mitte 40 würde ich sie schätzen und klassisch schön. Sie bewegte sich mit einer Eleganz die mich vor Neid erblassen lies, ihr Lachen war laut, charmant und nahm alles und jeden in sich auf. Es dauerte eine Sekunde aber dann sah ich es. Es war die Art wie sie sich berührten, so vertraut und beiläufig und immer eine Spur länger als nötig. Diese Erkenntnis traf mich mitten ins Herz und mir wurde richtig schlecht. Ich war eifersüchtig, nicht so sehr das es mir schwindelig wurde, aber gerade so viel, dass ich am liebsten die Flucht ergreifen würde. Also entscheid ich erstmal auf meinem Barhocker sitzen zu bleiben und einen Gin Tonic zu bestellen. Ich musste mich dem früh genug stellen, aber nicht jetzt. Allzulange war ich auch nicht alleine, ein attraktiver dunkelhaariger Mann Mitte 20 kam auf mich zu. Viel zu jung als das er wirkliches Interesse in mir wecken könnte und viel zu Hipster mit seiner Skinnyjeans und dem Beany auf den mittellangen Haaren um mich aus der Reserve zu locken. „Hey“ begrüßte er mich freundlich „Ich bin Mike, darf ich dich auf nen Drink einladen?“ Ich lächelte geschmeichelt, er hatte eine sehr angenehme Stimme „Danke, aber ich bin schon verabredet“ entgegnete ich entschuldigend und widmete mich wieder meinem Gin „Ich sehe hier niemanden, nur dich, alleine an der Bar“ forderte er mich frech heraus und strahlte mich an. „Das ist wahr“ musste ich ihm zugestehen „Mein Date ist noch nicht aufgetaucht.“ Er seufzte gespielt tief „Also ich weiss ja nicht wie toll der Kerl ist auf den du wartest, aber ich würde dich keine Sekunde warten lassen“ Ich lachte von Herzen „Das ist süß, danke“ „Er hat recht“ hörte ich Cade sagen, er stand ganz plötzlich neben uns und strahlte mich mit einem Lächeln an, dass mich alle schlechten Gefühle vergessen ließ und sich wieder ein wohlig warmes Gefühl im Bauch breit machte „Tut mir sehr leid, Cat“ sagte er zu mir und umarmte mich fest. Er begutachtete mein weißes, luftiges Sommerkleid und stellte zufrieden fest „Du siehst wunderschön aus“. Ich errötete auf der Stelle und er drückte mir ein Kuss auf die Wange, eine Spur länger als nötig. Seine Haut und sein Haare rochen nach Seife, ich habe diesen Geruch vermisst und versuchte so tief wie möglich einzuatmen um keine Sekunde zu verschwenden. Keiner von uns wollte den anderen loslassen, also ich griff langsam in seinen Nacken, zog mich sanft hoch und küsste ihn lange. Er erwiderte meinen Kuss und so standen wir da, küssend und voller Verlangen nach einander. Atemlos, mit rauher Stimme sagte er dazwischen „Lass uns gehen, Babe“ ich gab ihm ein Kuss zur Zustimmung.

„Vögelst du sie?“ fragte ich ihn unvermittelt als wir im Taxi saßen. „Donna?“ erwiderte er erstaunt und fügte noch hinzu „Sie ist meine PR-Managerin. Schon seit Jahren“. Ich nickte „Keine Antwort ist auch eine Antwort“ erwiderte ich schnippisch. „Du bist eifersüchtig“ stellte er treffend fest. Ich schnaubte vielleicht ein bisschen zu laut „So ein blödsinn!“. „Ist ok wenn es so ist“ bemerkte er lässig und zog die Schultern hoch. „ Ihr wart nur so…“ ich überlegte wie ich es am besten ausdrücken könnte „intim“ etwas besseres fiel mir nicht ein. „Intim?“ wiederholte er langsam und schmunzelte „So intim wie unser Kuss gerade? Oder eher so intim wie: Lass uns gehen Babe, ich will dich vögeln“ er grinste mich breit an. „Vergiss es“ flüsterte ich während ich die Augen verdrehte und versuchte wieder geradeaus auf die Straße zu schauen. „Ganz der Detective“ sagte er plötzlich „Ist schon ne Ewigkeit her“ erzählte er weiter „wir haben uns dazu entschieden es lieber beim beruflichen zu belassen, darin ist sie wesentlich besser“ Ich musste lachen „Ich hoffe das hast du ihr so nicht gesagt.“ Er überlegte „Na ich glaube ein bisschen taktvoller war ich schon“. „Gut“ stellte ich fest und wir lachten beide. Es ist ok, wenn es so ist, dieser Satz hallte mir nach, ich hätte ihn gern gefragt wie er es gemeint hat. Stattdessen fragte ich einfach nur „Wieso fahren wir Taxi? Wo ist Rene?“ zugegeben eine Frage die ich schon stellen wollte als wir eingestiegen sind. „Rene ist auf Bali, es waren ein paar stressige Monate, auch für ihn“. Ich seufzte „Ich wünschte mein Captain würde mich auch auf Bali schicken“ und ergänzte „Wie geht’s dir, Cade? Du siehst furchtbar müde aus“ Sanft legte ich meine Hand auf seine Wange und streichte ihm über das Gesicht. Er lächelte mich an „Mir geht’s besser seit du wieder da bist“ Er griff nach meiner Hand und küsste meine Handfläche „Du hast mir gefehlt“ flüsterte er noch.