Alex

Die Nachricht traf mich wie ein Schlag ins Gesicht. Alex ist tödlich verunglückt. Er hatte einen schweren Autounfall mit dem Tourbus. Er und ein weiteres Bandmitglied sind dabei ums Leben gekommen, zwei weitere sind schwer verletzt. Als ich das hörte musste ich mich erstmal setzen und fing unvermittelt an zu weinen. Wie konnte das sein? Und Cade, wo ist Cade? Mehrmals hintereinander versuchte ich ihn anzurufen, aber sein Telefon war aus. Mailbox. Auch im Leagons ging keiner ans Telefon. Die Beerdigung, so wusste man schon, sollte in zwei Tagen sein, hier in Portland.

Mein Telefon weckte mich aus meinem Halbschlaf. Es war zwei Uhr nachts, Sarah. „Komm bitte sofort ins Leagons, Cade dreht total durch. Er ist sturzbetrunken und fängt an den Club kurz und klein zu schlagen.“ Sagte sie aufgeregt. „Ich bin gleich da, gib ihm nichts mehr zu trinken, bitte“ entgegnete ich hektisch. Ich machte mich direkt auf den Weg, zog mir nur eine Jeans und einen kurzen Pullover über und düste los. Im Leagons angekommen hörte ich schon die Möbel durch die Gegend fliegen. „Cade“ rief ich „Cade, hör auf“. Er schien mich überhaupt nicht wahrzunehmen. „Cade“ rief ich erneut und ging zu ihm um ihn den Barhocker aus den Händen zu nehmen „Bitte leg das weg“. Dabei erwischte er mich mit einem Fuß des Barhockers am Bauch und ich zuckte vor Schmerzen weg. Das schien er dann doch zu registrieren und legte den Hocker beiseite um sich zu entschuldigen „Sorry, ich wollte dich nicht treffen“. „Was tust du überhaupt hier“ fuhr er lallend fort, „ich will niemanden sehen“. „Sarah hat mich angerufen, sie sagte du drehst durch“ antwortete ich ihm ruhig. Ich hoffte auch ihn so etwas zu beruhigen. Meine Versuche ihm dabei die Hand auf den Arm zu legen schüttelte er ab. „Verschwinde Cat“ fauchte er. Aber ich blieb eisern. „Nein, wir fahren nach Hause!“ sagte ich bestimmt und richtete meine Worte noch an Sarah, die sich gerade aufmachte zu gehen „Kannst du René bitte sagen er soll den Wagen vorfahren“. „Klar“ antwortete sie mir und fügte leise hinzu „Mein herzlichstes Beileid. Euch beiden“. Cade registrierte das nicht. Er brach auf einem Barhocker zusammen. „Danke, süße“ nickte ich ihr zu. Wir verabschiedeten uns mit einem Küssen auf die Wange und sie ging. Ich wandte mich wieder Cade zu „Komm, ich bring dich nach Hause“ sanft strich ich mit der Hand über seinen Rücken.

Auf dem Weg zum Auto stützte ich ihn und auf den letzten Metern half mir René ihn auf den Sitz zu wuchten. Er sagte die gesamte Fahrt über kein Wort, er saß nur da und schaute durch alles was sich vor ihm befand hindurch. Ich wusste nicht genau was mir mehr wehtat, Alex´Tod oder Cade so zu sehen. „Soll ich auf sie warten, Catherina?“ fragte René, als wir bei Cade ankamen. „Nein René, fahren sie nach Hause, ich bleibe hier“ antwortete ich ihm während wir versuchten Cade ins Haus zu schaffen. In seiner Wohnung angekommen bugsierte ich ihn geradewegs unter die Dusche und stellte das kalte Wasser an. „So, werd erstmal nüchtern, ich koche dir einen Kaffee“ sagte ich bestimmt. „Warte“ rief er und zog mich an den Handgelenken zu sich. Es war sehr fest und er tat mir weh. „Bleib bei mir, Cat, geh nicht“ bettelte er. Er drückte mich mit voller Wucht gegen die Glasscheibe der Dusche, ich wurde nass bis auf die Knochen. „Lass mich los, Cade“ herrschte ich ihn an „du tust mir weh“. Aber er ignorierte das, fuhr einfach seinen Film und versuchte mich zu küssen, während er mich immer noch fest an den Handgelenken packte. Erst als ich versuchte mich loszustrampeln ließ er von mir erschrocken ab. Er sackte auf dem Boden zusammen und murmelte eine Entschuldigung. Ich kniete vor ihm nieder „Schon gut, komm runter wenn du soweit bist, ich bin in der Küche und mach dir einen Kaffee“ redete ich beruhigend auf ihn ein. Langsam erhob ich mich und stieg aus der Dusche. Im Schlafzimmer zog ich mir eine Shorts und ein T-Shirt aus seinem Schrank und zog mir die nassen Klamotten aus. Nachdem ich sie im Trockner verstaut hatte, ging ich in die Küche und machte ihm ein Kaffee. Fast eine halbe Stunde später schlug er in der Küche auf. Sichtlich ausgenüchtert, aber total erschöpft. „Kaffee oder Bett?“ fragte ich, als ich ihm den Kaffee entgegenstreckte. Auf meinen Handgelenken zeichneten sich rote Abdrücke seiner Hände ab. „Es tut mir leid“ entschuldigte er sich erneut, als er sie entdeckte „Kaffee“ fügte er noch hinzu. Darauf erwiderte ich nichts. Mir war klar, dass es keine Absicht war und ich war mir sicher morgen waren sie schon nicht mehr zu sehen. Ich ging um den Tresen herum und setzte mich neben ihn auf einen Barhocker. Ich war müde. „Geh schlafen, Kleines“ presste er müde hervor. „Was ist mit dir? Kommst du mit?“ fragte ich ihn leise. „Mein Bruder ist tot“ flüsterte er und sah mich an. Ich sah den ganzen Schmerz in seinem Blick und noch nie hatte mir etwas so weh getan. „Es tut mir so leid, Cade“ flüsterte ich. Er nahm meine Hand und küsste sie. „Komm mit“ flüsterte ich erneut. Danach küsste er meinen Handballen, mein Handgelenk und meinem Unterarm, dann packte er mich an meinem Hals und zog mich ans sich. Sein Atem ging sofort schneller und seine Hände glitten von meiner Taille zu meinem Hintern. Dabei wurden seine Küsse immer länger und leidenschaftlicher. Er suchte Trost und ich ebenfalls.

Wiedersehen

Wir hatten uns lange nicht mehr gesehen, waren beide beschäftigt, bestimmt 4 Monate ist es her. Und als ich ihn da oben auf der Galerie stehen sah blieb mir fast das Herz stehen, so aufgeregt war ich. Er lachte mit einer schon etwas älteren blonden Frau, mitte 40 würde ich sie schätzen und klassisch schön. Sie bewegte sich mit einer Eleganz die mich vor Neid erblassen lies, ihr Lachen war laut, charmant und nahm alles und jeden in sich auf. Es dauerte eine Sekunde aber dann sah ich es. Es war die Art wie sie sich berührten, so vertraut und beiläufig und immer eine Spur länger als nötig. Diese Erkenntnis traf mich mitten ins Herz und mir wurde richtig schlecht. Ich war eifersüchtig, nicht so sehr das es mir schwindelig wurde, aber gerade so viel, dass ich am liebsten die Flucht ergreifen würde. Also entscheid ich erstmal auf meinem Barhocker sitzen zu bleiben und einen Gin Tonic zu bestellen. Ich musste mich dem früh genug stellen, aber nicht jetzt. Allzulange war ich auch nicht alleine, ein attraktiver dunkelhaariger Mann Mitte 20 kam auf mich zu. Viel zu jung als das er wirkliches Interesse in mir wecken könnte und viel zu Hipster mit seiner Skinnyjeans und dem Beany auf den mittellangen Haaren um mich aus der Reserve zu locken. „Hey“ begrüßte er mich freundlich „Ich bin Mike, darf ich dich auf nen Drink einladen?“ Ich lächelte geschmeichelt, er hatte eine sehr angenehme Stimme „Danke, aber ich bin schon verabredet“ entgegnete ich entschuldigend und widmete mich wieder meinem Gin „Ich sehe hier niemanden, nur dich, alleine an der Bar“ forderte er mich frech heraus und strahlte mich an. „Das ist wahr“ musste ich ihm zugestehen „Mein Date ist noch nicht aufgetaucht.“ Er seufzte gespielt tief „Also ich weiss ja nicht wie toll der Kerl ist auf den du wartest, aber ich würde dich keine Sekunde warten lassen“ Ich lachte von Herzen „Das ist süß, danke“ „Er hat recht“ hörte ich Cade sagen, er stand ganz plötzlich neben uns und strahlte mich mit einem Lächeln an, dass mich alle schlechten Gefühle vergessen ließ und sich wieder ein wohlig warmes Gefühl im Bauch breit machte „Tut mir sehr leid, Cat“ sagte er zu mir und umarmte mich fest. Er begutachtete mein weißes, luftiges Sommerkleid und stellte zufrieden fest „Du siehst wunderschön aus“. Ich errötete auf der Stelle und er drückte mir ein Kuss auf die Wange, eine Spur länger als nötig. Seine Haut und sein Haare rochen nach Seife, ich habe diesen Geruch vermisst und versuchte so tief wie möglich einzuatmen um keine Sekunde zu verschwenden. Keiner von uns wollte den anderen loslassen, also ich griff langsam in seinen Nacken, zog mich sanft hoch und küsste ihn lange. Er erwiderte meinen Kuss und so standen wir da, küssend und voller Verlangen nach einander. Atemlos, mit rauher Stimme sagte er dazwischen „Lass uns gehen, Babe“ ich gab ihm ein Kuss zur Zustimmung.

„Vögelst du sie?“ fragte ich ihn unvermittelt als wir im Taxi saßen. „Donna?“ erwiderte er erstaunt und fügte noch hinzu „Sie ist meine PR-Managerin. Schon seit Jahren“. Ich nickte „Keine Antwort ist auch eine Antwort“ erwiderte ich schnippisch. „Du bist eifersüchtig“ stellte er treffend fest. Ich schnaubte vielleicht ein bisschen zu laut „So ein blödsinn!“. „Ist ok wenn es so ist“ bemerkte er lässig und zog die Schultern hoch. „ Ihr wart nur so…“ ich überlegte wie ich es am besten ausdrücken könnte „intim“ etwas besseres fiel mir nicht ein. „Intim?“ wiederholte er langsam und schmunzelte „So intim wie unser Kuss gerade? Oder eher so intim wie: Lass uns gehen Babe, ich will dich vögeln“ er grinste mich breit an. „Vergiss es“ flüsterte ich während ich die Augen verdrehte und versuchte wieder geradeaus auf die Straße zu schauen. „Ganz der Detective“ sagte er plötzlich „Ist schon ne Ewigkeit her“ erzählte er weiter „wir haben uns dazu entschieden es lieber beim beruflichen zu belassen, darin ist sie wesentlich besser“ Ich musste lachen „Ich hoffe das hast du ihr so nicht gesagt.“ Er überlegte „Na ich glaube ein bisschen taktvoller war ich schon“. „Gut“ stellte ich fest und wir lachten beide. Es ist ok, wenn es so ist, dieser Satz hallte mir nach, ich hätte ihn gern gefragt wie er es gemeint hat. Stattdessen fragte ich einfach nur „Wieso fahren wir Taxi? Wo ist Rene?“ zugegeben eine Frage die ich schon stellen wollte als wir eingestiegen sind. „Rene ist auf Bali, es waren ein paar stressige Monate, auch für ihn“. Ich seufzte „Ich wünschte mein Captain würde mich auch auf Bali schicken“ und ergänzte „Wie geht’s dir, Cade? Du siehst furchtbar müde aus“ Sanft legte ich meine Hand auf seine Wange und streichte ihm über das Gesicht. Er lächelte mich an „Mir geht’s besser seit du wieder da bist“ Er griff nach meiner Hand und küsste meine Handfläche „Du hast mir gefehlt“ flüsterte er noch.